Aufgrund der drängenden Brisanz klimaresilienten Wassermanagements und Versorgung der öffentlichen Grünflächen in zukünftigen Hitzewellen und Dürreperioden sehen wir starken Handlungsbedarf auf politischer Seite. Aus diesem Grund haben wir einen offenen Brief an Bundespräsident Alexander Van der Bellen, Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig und Bürgermeister Michael Ludwig gerichtet. Darin ersuchen wir sie, die rechtlichen Rahmenbedingungen für Grauwasserverwertung zu erleichtern und diese künftig stärker in Bauvorgaben sowie bestehende Förderinstrumente zu integrieren.
Denn wenn wir heute nicht an eine krisensichere Wasser- und Energieversorgung denken, schaffen wir bauliche Strukturen, die sich später nur mit großem Aufwand korrigieren lassen. Was heute in Planung und Neubau versäumt wird, landet morgen als aufwendige und teure Sanierungsaufgabe wieder bei uns.
Konkrete Forderungen sind unter anderem:
1. Die Nutzung von aufbereitetem Grauwasser für WC-Spülungen, Dach- und Fassadenbegrünungen, Innenhöfe, Straßenbäume und öffentliche Grünflächen gezielt zu fördern
2. Eine verpflichtende Prüfung von Grauwassernutzung und Wärmerückgewinnung bei größeren Neubauten und umfassenden Sanierungen einzuführen
3. Konkrete Pilotprojekte im mehrgeschossigen Wohnbau, sowie in Schulen, Pflegeeinrichtungen und Verwaltungsgebäuden zu starten
4. Grauwasserverwertung in relevante Förderprogramme und in städtische Ausschreibungen aufzunehmen
5. Die Aufnahme des Themas in künftige Trinkwassergipfel und wasserwirtschaftliche Fachgespräche
Den gesamten Brief, in diesem Fall an Herrn Totschnig, lesen Sie hier:
Sehr geehrter Herr Bundesminister Totschnig,
Österreich steht vor wachsenden Herausforderungen in der Wasserwirtschaft. Längere Trockenperioden, sinkende Grundwasserstände, zunehmende Hitze in unseren Städten und ein steigender Bewässerungsbedarf zeigen deutlich: Wir müssen vorhandenes Trinkwasser künftig wesentlich effizienter einsetzen.
Gleichzeitig stehen bereits heute praxistaugliche Technologien zur Verfügung, mit denen Trinkwasser eingespart, Energie zurückgewonnen und Gebäude sowie Grünflächen besser an die Folgen des Klimawandels angepasst werden können.
Strebelwerk hat eine innovative Grauwassertechnologie entwickelt, die insbesondere im mehrgeschoßigen Wohnbau, aber ebenso in Hotels, Pflegeheimen, Krankenhäusern und anderen größeren Gebäuden eingesetzt werden kann. Das beim Duschen, Baden und Händewaschen anfallende Grauwasser wird gesammelt, aufbereitet und anschließend ein zweites Mal genutzt.
Bei einem Wohngebäude mit rund 100 Bewohnerinnen und Bewohnern können dadurch täglich bis zu 6.000 Liter wertvolles Trinkwasser eingespart werden. Das aufbereitete Grauwasser kann zur Versorgung der Toilettenspülungen, zur Bewässerung von Grünflächen und – abhängig von der Systemausführung – auch zur Unterstützung der Gebäudekühlung verwendet werden.
Darüber hinaus ermöglicht das System die Rückgewinnung der im warmen Grauwasser enthaltenen Energie. Dadurch können bis zu 80 Prozent der Energiekosten für die Warmwasserbereitung eingespart werden. In Wien werden leider erst zwei Anlagen betrieben, da wir bei Verantwortlichen immer wieder auf taube Ohren stoßen.
Grauwassernutzung verbindet mehrere zentrale Aufgabenstellungen in einem einzigen System:
• Schutz unserer Trinkwasserreserven,
• Verringerung des Energieverbrauchs und der CO₂-Emissionen,
• Entlastung der Wasser- und Abwasserinfrastruktur,
• Bewässerung von Grünflächen auch während trockener Perioden,
• Unterstützung der Gebäudekühlung und Verbesserung des städtischen Mikroklimas,
• Steigerung der Klimaresilienz von Gebäuden und Quartieren.
Angesichts dieser Möglichkeiten dürfen wir nicht länger dabei zusehen, wie hochwertiges Trinkwasser für Toilettenspülungen oder die Bewässerung verwendet wird und gleichzeitig große Mengen nutzbarer Wärmeenergie ungenutzt in die Kanalisation abfließen.
Sehr geehrter Herr Bundesminister, Ihr Ressort trägt die zentrale Verantwortung für Wasserwirtschaft, Klima- und Umweltschutz sowie die nachhaltige Entwicklung unserer Regionen. Wir ersuchen Sie daher, die Nutzung von aufbereitetem Grauwasser stärker in die österreichische Wasserstrategie, in Förderprogramme und in die Planung zukünftiger Wohn-, Hotel- und Kommunalprojekte einzubeziehen.
Konkret möchten wir folgende Schritte anregen:
• die Initiierung eines österreichischen Grauwasser-Pilotprogramms für den mehrgeschoßigen Wohnbau,
• die Berücksichtigung von Grauwassernutzung und Wärmerückgewinnung in relevanten Förderprogrammen,
• die Aufnahme des Themas in künftige Trinkwassergipfel und wasserwirtschaftliche Fachgespräche,
• die Entwicklung geeigneter technischer und rechtlicher Rahmenbedingungen,
• die Umsetzung wissenschaftlich begleiteter Demonstrationsprojekte gemeinsam mit Gemeinden, Städten und gemeinnützigen Bauträgern.
Die Technologie von STREBELWERK wurde bereits mit dem Energy Globe Award, dem Tilia Award und dem Innovationspreis des Landes Niederösterreich ausgezeichnet. Es handelt sich damit nicht um eine theoretische Zukunftsidee, sondern um eine österreichische Innovation, die schon heute einen konkreten Beitrag zur Sicherung unserer Wasser- und Energieressourcen leisten kann.
Wir ersuchen Sie höflich um die Möglichkeit eines persönlichen Gespräches mit Ihnen beziehungsweise mit den zuständigen Fachabteilungen Ihres Hauses. Gerne präsentieren wir Ihnen das System, die technischen Kennzahlen, mögliche Anwendungsbereiche und einen konkreten Vorschlag für ein österreichisches Referenz- oder Pilotprojekt.
Österreich hat die Chance, bei der intelligenten Nutzung von Wasserressourcen eine Vorreiterrolle einzunehmen. Dafür müssen wir die bereits vorhandenen Lösungen nun entschlossen in die breite Anwendung bringen.
Wir würden uns sehr über Ihre Unterstützung und die Gelegenheit zu einem fachlichen Austausch freuen.
Mit freundlichen Grüßen
Thomas Kosak


